Bildungsreisen

Bildungsreise Bosnien und Serbien (2016)

Der Nachtzug von München nach Zagreb fährt gut zehn Stunden. Während es rumpelt zieht die Landschaft an uns vorbei und wir lernen uns bei Bier und Schnaps besser kennen. Der gelegentliche Blick aus dem Fenster offenbart, dass wir uns Richtung Balkan bewegen. Immer häufiger sind in den romantischen Dörfern an Berghängen und in Tälern neben Kirchtürmen auch Minarette zu sehen. Wir haben wenig Schlaf und viel Spaß. Schließlich erreichen wir Zagreb im Morgengrauen, versorgen uns am Bahnhof mit Croissants und Kaffee und steigen mitsamt unserer 16-köpfigen Reisegruppe in den eigens von der Reiseleitung organisierten, sehr gemütlichen Kleinbus. Der freundliche und gut gelaunte Fahrer steuert souverän über die Autobahn nach Jajce in Bosnien-Herzegowina. Kurvenlage, Geräuschpegel und Interieur des Vehikels sind deutlich beruhigender als zuvor im Zug und so nutzen Viele die Fahrt für ein kurzes Nickerchen. So beginnt unsere von CriThink und Heinrich-Böll-Stiftung organisierte Reise. In den folgenden zehn Tagen stehen kulturelle, politische und historische Programmpunkte auf der Agenda.

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Blick auf Sarajevo

Wir besuchen die jüdische Gemeinde in Sarajevo und sprechen über die Situation der Juden zur Zeit des Kommunismus in Jugoslawien und heute. Erleben wie die Veranstalter eines Theaterstücks aufgrund seines religionskritischen Inhalts von Hooligans bedroht werden und das Stück schließlich nur unter Polizeischutz und nur für einen ausgewählten Kreis aufgeführt wird. Wir Erfahren viel über das Entstehen der Bundesrepublik Jugoslawien. Die deutsche Besatzung. Treffen Kämpfer der Antifaschistischen Kräfte aus der Zeit des zweiten Weltkriegs. Werden schließlich allerorten mit den ethnisch-religiösen Konflikten, die zum Zerfall Jugoslawiens und zu dem furchtbaren Krieg geführt haben, konfrontiert. Wir treffen junge Menschen, die ein linkes Zentrum der ethnisch geteilten Stadt Mostar betreiben und so den Nationalisten und religiösen Fundamentalisten etwas entgegen setzen möchten.

Partisanendenkmal

Partisanendenkmal

Wir sehen viele monumentale Denkmäler und Denkmal-Anlagen aus der Zeit des Tito-Kommunismus. Wir besuchen Srebrenica, den Ort, an dem die Blauhelmsoldaten tatenlos zusahen, wie bosnisch-serbische Einheiten tausende Menschen ermordeten. Nicht selten sind die vielfältigen Informationen und Erlebnisse noch Stunden später präsent und wir sprechen, weinen, diskutieren und verarbeiten, was wir gemeinsam erlebt haben. Mit jedem Tag bestärkt sich der Gedanke, dass es hier noch viel mehr zu sehen gibt und dass es eine der besten Entscheidungen des Jahres war, an dieser Reise teilzunehmen.

Bildungsfahrt nach Verdun (2011)

Im Juli 2011 führten wir zum ersten Mal im Rahmen des Vereins eine Exkursion nach Verdun durch. Besonders freuten wir uns darüber, dass auch die beiden Refernt_innen des AKuBiZ e.V. aus Pirna, die noch aufgrund eines von ihnen gehaltenen Vortrags zur Ablehnung des „sächsischen Demokratiepreises“ bei uns verweilten, an der Fahrt teilnahmen. Die Schlacht von Verdun ist die in der französischen Erinnerung Wichtigste des Ersten Weltkrieges. Den grundsätzlich anderen Umgang mit dieser Kriegsvergangenheit kann man an der französischen Bezeichnung – la Grand Guerre, der Große Krieg – schon erahnen.
Auf dem ehemaligen Schlachtfeld konnten wir versuchen uns diesem „anderen Umgang“ bei Besuchen des Museums, von Festungsanlagen und Gedenk- und Begräbnisstätten anzunähern und kritisch zu diskutieren. Dabei überzeugte vor allem der Kulturwissenschaftler Jörg Jacoby durch seine fundierten Fachkenntnisse und die Fähigkeit zur kritischen Betrachtung gedenkpoltischer Konzeptionen.

Bildungsreise nach Prag (2011)

Wie schon im letzten Rundbrief angekündigt, konnten im März 2011 30 Personen die Chance einer Bildungsreise des Vereins in die Tschechische Republik wahrnehmen. Thematischer Schwerpunkt unserer fünftägigen Reise war die Tschechoslowakei unter deutscher Besatzung. Auf verschiedenen Vorträgen, Stadtrundgängen und Besuchen von Museen, dem ehemaligen KZ Theresienstadt und der durch deutsche Truppen ausradierten Stadt Lidice wurden den Teilnehmer_innen vielfältige Informationen über die Situation der tschechischen, insbesondere der jüdischen und sich im Widerstand befindlichen, Bevölkerung im zweiten Weltkrieg, aber auch Geschichte und Politik in Zeiten vor und nach der deutschen Besatzung vermittelt. Einen besonderen Eindruck, emotional wie auch informativ, haben hier sicherlich die Erzählungen eines Zeitzeugen aus Lidice hinterlassen. Einen ausführlicheren Bericht findet ihr auf unserer Webseite.

Bildungsfahrt nach Oybin (2011)

Nach der von unserem Verein mitorganisierten Veranstaltung zum Thema „Extremismusklausel“ mit Vertreter_innen des Vereins AkuBiZ e.V. im Juli fuhren Mitglieder von CriThink! im September zum zehnjährigen Jubiläum des Pirnaer Vereins nach Sachsen. Im Namen des Vereins überbrachten wir Glückwünsche und informierten uns weiter über die Arbeit und Situation des Vereins AkuBiZ, der im Jahr 2010 den sächsischen Demokratiepreis wegen der „Extremismusklausel“ ablehnte. Während der zweitägigen Feierlichkeiten, bei denen der Verein auch eine Rückschau auf die Situation in Sachsen vor 10 Jahren bot, konnten wir neue Kontakte knüpfen und bestehende ausbauen sodass uns in Zukunft vermutlich vermehrt Projekte zusammenführen werden.